Texte

Abkehr von der Masslosigkeit

Diese Kolumen erschien in der Berner Zeitung vom 21. Februar 2009.

Dieser Tage geistert eine Besorgnis erregende Meldung durch die Medien: Der Klimawandel ist in den Jahren 2000 bis 2007 weitaus schneller vorangeschritten als bisher prognostiziert. Die CO2-Emissionen sind durchschnittlich um 3,5 Prozent pro Jahr gestiegen. Das ist dreimal so schnell wie in den Jahren 1990 bis 1999, sagen Forscher des Weltklimarates IPCC. Dies hat viel mit einem anderen Thema zu tun, das derzeit die Schlagzeilen dominiert: mit der Finanzmarktkrise und ihren Folgen. Beide Übel haben denselben Ursprung: Gier und Masslosigkeit. Auf der einen Seite die masslose Verschwendung endlicher Ressourcen wie etwa Erdöl zur Deckung unserer grenzenlosen Gier nach Luxus und Mobilität. Auf der anderen Seite die Gier von Aktionären, Anlegern und Bankern nach masslosen Gewinnen auf Kosten der Allgemeinheit.

Die Zeit der europapolitischen Tabus beenden

Erschienen im eSPress Nr. 6 vom 10. Februar 2009

Das klare Ja zur Personenfreizügigkeit liess weitherum aufatmen und Erleichterung machte sich breit. Erleichterung über den unmissverständlichen Volksauftrag zur Weiterführung und Ausdehnung der Personenfreizügigkeit; Erleichterung aber auch darüber, dass selbst in der Krise und trotz der rabenschwarzen Angstmache der Intellekt über die Emotion gesiegt hat, die Vernunft über die Irrationalität der meisten gegnerischen Argumente.

Wer zu spät kommt, den bestraft die Zukunft

Diese Kolumne erschien am 24. Januar 2009 in der Berner Zeitung.

Um die Krise als Chance zu nutzen, müssen wir unsere Wut in Mut wandeln. In Mut zum ökologisch-technologischen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft. Wer nun reflexartig aufstöhnt und im Geist bereits die Platte der Verzichts- und Weltuntergangsrhetorik der 80er Jahre auflegt, hat den Denk-Schalter von vorgestern erwischt. Heute muss die Reaktion pragmatisch ausfallen und in die Einsicht münden, dass Konjunkturkrise und Klimawandel gemeinsame Wurzeln haben: egoistische Ressourcenplünderung, übersteigerte Gewinnerwartungen oder aus dem Ruder gelaufener Wachstumsdrang etwa.

Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht?

Erschienen in der ZEITLUPE, Dezember 2008, Rubrik „Dafür und dagegen“

Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks von 1989/90 gestalteten die meisten Länder Europas ihre Sicherheitspolitik neu. Die Ausrichtung auf die neuen Risiken einer globalisierten Welt führten zu einem tiefgreifenden Strukturwandel: Viele Länder bauten ihre Wehrpflichtarmee um zur Freiwilligenarmee; und die Aufgaben und Ziele wurden an die neue Bedrohungslage angepasst. Das hat die Schweiz weitgehend verpasst und so befindet sich unsere Armee nun bald 20 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges in einer Sinnkrise. Die Ausrichtung auf tatsächliche Risiken ebnet den Weg für eine markante Verkleinerung der Armee und die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht. Denn diese führt heute zu einer Armee mit mehrfach überhöhten Beständen, deren Betrieb die meisten Finanzmittel wegfrisst und zu wenig finanziellen Spielraum für Modernisierungen lässt. Die Schweizer Armee soll sich zu einer Freiwilligenarmee mit rund 50‘000 Angehörigen wandeln. Unter Berücksichtigung der volkswirtschaftlichen Kosten reduzieren sich damit die Ausgaben auf einen guten Drittel gegenüber heute. Die Rekrutierung eines Massenheeres – die «levée en masse» – ist allein im Falle einer schwerwiegenden Bedrohung von Staat und Bevölkerung begründbar. Heute und in absehbarer Zukunft ist ein klassischer Landesverteidigungsfall jedoch praktisch ausgeschlossen. Statt ein überdimensioniertes Heer aufrecht zu erhalten, setzt die Schweiz besser auf eine kleine Armee mit realistischem Auftrag, guter Aus- und Weiterbildung und professioneller und zeitgemässer Ausrüstung.

 

Energieforschung: der Boden unserer Energiezukunft

Erschienen im Magazin „Energie & Umwelt“ 3/2008 der Schweizerischen Energie-Stiftung SES

Erneuerbar statt atomar. Das darf kein Schlagwort bleiben. Wenn wir die dringend notwendige Energiewende voranbringen wollen, brauchen wir heute nicht nur die entsprechenden politischen Weichenstellungen, sondern auch qualitativ hochstehende Forschungsgrundlagen. Die Energieforschung ist also ein wichtiges Standbein der Energiepolitik. Denn die Wissenschaftspolitik von heute schafft die Wissensgrundlagen für die Energiepolitik von morgen. Die Preise der fossilen Brennstoffe sind stark gestiegen; zudem heizen solche Energieträger die Klimaprobleme an. Gesellschaft und Wirtschaft stehen vor grossen Herausforderungen, zu deren Bewältigung Forschung und Entwicklung entscheidende Hilfsmittel und Innovationen beisteuern.

Fairer Handel ist Voraussetzung für eine friedlichere und gerechtere Welt

Erschienen im links.ch Nummer 01/2008

Die Weltwirtschaft wächst beeindruckend schnell, aber längst nicht alle profitieren davon. Die Hälfte der Weltbevölkerung verdient weniger als zwei Dollar pro Tag. Über 12 Millionen Menschen leben und arbeiten unter sklavenähnlichen Bedingungen. Und 200 Millionen Kinder arbeiten statt zur Schule zu gehen. Das muss sich ändern. 

Die Globalisierung stellt uns vor eine grosse Herausforderung: Wir müssen dafür sorgen, dass der intensivierte internationale Wettbewerb nicht in Massen neue Verliererinnen und Verlierer schafft und Arme noch ärmer werden lässt. Es darf nicht sein, dass einige wenige massiv profitieren, während die allgemeine soziale Ungerechtigkeit zunimmt und die Umwelt weiter zerstört wird. Kurz: Wir müssen die Globalisierung sozial und ökologisch gestalten, denn aufhalten können wir sie nicht. Der Weg dorthin führt primär über multilaterale Abkommen im Rahmen der WTO. In allen wichtigen Abkommen müssen Regeln verankert werden, die soziale und ökologische Standards garantieren und dafür sorgen, dass den Menschenrechten Nachachtung verschafft wird. 

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