Das E-Bike boomt – sind wir darauf vorbereitet?

Grusswort an der VCS-Fachtagung «Das E-Bike boomt – sind wir darauf vorbereitet?» vom 6. April 2016 - Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Damen und Herren, wertes E-Bike-Fachpublikum

Im Namen des Verkehrs-Club der Schweiz heisse ich Sie herzlich willkommen zu unserer Fachtagung «Das E-Bike boomt – sind wir darauf vorbereitet?».

Als ich mich heute Morgen auf mein Velo geschwungen habe, um hierher ins Stade de Suisse zu fahren, haben dies hunderte von Pendlerinnen und Pendlern ebenfalls getan. Sie haben kürzere oder längere Strecken zurückgelegt, waren auf ländlich anmutenden Abschnitten oder in grauen Strassenschluchten unterwegs, auf sicheren Velowegen oder auf gefährlichen Strassenabschnitten mitten im Stossverkehr. Sie fuhren zum Beispiel ins Büro, vielleicht mit den Kindern im Veloanhänger via Kita, zum ersten Meeting, an die Uni, zur Schule, an den Bahnhof, um den Zug in die nächste Stadt zu erwischen. Wohin auch immer. So unterschiedlich die Wege sind, eines ist ihnen allen gemeinsam: Sie schätzen die vielen Vorzüge des Velofahrens. Sei es das schnelle Vorwärtskommen im Stadtverkehr, die frische Luft oder etwas Bewegung in der Früh. Einige von ihnen waren auch mit einem E-Bike unterwegs. Noch ist dies eine Minderheit, aber die Tendenz ist zunehmend.

Die Verkaufszahlen beweisen es schwarz auf weiss: 2006 wurden 3’000 E-Bikes verkauft, dies entsprach einem geringen Anteil von einem Prozent. Vor wenigen Tagen hat Velosuisse, der Verband der Schweizer Fahrradlieferanten, die aktuellen Zahlen von 2015 veröffentlicht. Letztes Jahr wurden gesamthaft etwas über 320’000 Velos verkauft, davon rund 66’300 Elektrofahrräder – sowohl „schnelle“ wie „langsame“. Dies entspricht einem Anteil von 20 Prozent am Total der verkauften Fahrräder.

Immer mehr Menschen entdecken also die Vorteile der Elektroräder. Die motorisierten Flitzer sind im Trend und nicht mehr aus dem Verkehr wegzudenken. Für viele E-Bike-Besitzerinnen und -Besitzer ist ihr Gefährt das wichtigste oder zweitwichtigste Verkehrsmittel ihrer Alltagsmobilität. Elektrovelos leisten somit bereits heute einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Mobilität. Wer anstelle des Autos oder des Mofas das E-Bike benutzt, ist damit um Klassen klimafreundlicher unterwegs und leistet einen Beitrag zur Energiewende.

Geht es also um nachhaltige Verkehrskonzepte, spielen E-Bikes eine Schlüsselrolle, denn sie haben nebst dem tiefen Energieverbrauch unzählige weitere Vorteile. Sie sind gesund, geräuscharm und platzsparend. Insbesondere in der hügeligen Schweiz bergen sie ein hohes Potenzial, Auto- und ÖV-Fahrten zu ersetzen und können einen Beitrag an die Lösung unsere Mobilitätsprobleme leisten. Denn wie Sie wissen: Ohne eine ökologische Verkehrswende ist die Energiewende nicht zu haben.

E-Bike fahren ist gut fürs Klima. Aber ist E-Bike fahren auch sicher genug? Mitte März titelte die NZZ: „E-Biker und Senioren verunfallen öfter“. Stark zugenommen habe gemäss der Stadt Zürich die Zahl der verunfallten Velo- und E-Bike-Fahrer – dies lässt aufhorchen. Ist E-Bike fahren also gefährlich? Bei genauerem Betrachten der Unfallzahlen werden diese negativen Botschaften etwas relativiert. Unter anderem hat der schöne Sommer 2015 mit dem velofreundlichen Wetter dazu geführt, dass das Velo öfter benutzt wurde. Fahren mehr Leute Velo oder E-Bike, steigt dadurch die Anzahl gefahrener Kilometer, und es kommt leider häufiger zu Kollisionen. Zudem werden E-Bikes oft von eher älteren Menschen genutzt. Diese stürzen öfter und verletzen sich bei einem Unfall schwerer als die Jungen, die tendenziell weiterhin lieber auf den Sattel eines konventionellen Velos steigen.

So oder so lautet eine der zentralen Fragen bei der Veloförderung: Wie kann die Verkehrssicherheit verbessert und das Velofahren generell sicherer gemacht werden? Ebenso gilt es nachzuforschen, ob die vorhandenen Infrastrukturen den verschiedenen Ansprüchen genügen. Der VCS Verkehrs-Club der Schweiz möchte mit dieser Fachtagung die Basis für eine nachhaltige Verkehrspolitik und -planung legen, die das Velo – human oder electric powered – als eines der zukunftsträchtigsten Verkehrsmittel integriert und fördert.

Ich wünsche Ihnen eine spannende Tagung, aus der zukunftsweisende, praxisnahe Lösungsansätze hervorgehen.

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